Zur Entstehung von Eichenbrunn wird folgende Sage überliefert:

„Zur Zeit, als der Babenberger Heinrich I. (994 – 1018) über die Ostmark herrschte, zog ein irischer Prinz, namens Koloman, durch diese Gegend ins Heilige Land. Bei der Quelle unter der großen Eiche am Fuße des Kirchenhügels ruhte er aus. Dann ging er gegen das heutige Stockerau, wo er am 12. Juni 1012 verhaftet wurde, da man seine Sprache nicht verstand und ihn für einen Spion hielt. Am 13. Oktober 1012 wurde er zu Tode gemartert. Als man später von seinen Wundertaten erfuhr, gaben die ersten Ansiedler dem Orte, wo der Heilige ausgeruht hatte, den Namen Eichenbrunn."

Urkundlich wurde der Ort erstmals 1203 erwähnt. Und zwar in einer Urkunde des Stiftes Klosterneuburg, wo ein Berthold von Nussdorf dem Stift vier Weingärten vermacht - Unterschrift des ALBERTUS DE AICHENPRUN.

Heinrich von Liechtenstein - ein Dienstmann des Landesfürsten- gestorben 1265 - war Inhaber von 10 bäuerlichen Zinslehen und des einzigen Meierhofes in Eichenbrunn, Alahof genannt, der im Lauf der Jahrhunderte immer wieder seinen Besitzer wechselte. Z.B. im Jahr 1624 beklagt sich der Pfarrer Johann Kempf von Oberleis, dass die Herrschaft Volkra von Stainabrunn ihm den Edelhof zu Eichenbrunn streitig mache, der für die Bruderschaft Unserer Lieben Frau von Oberleis gewidmet sei, Herr Volkra aber behauptete, der Hof sei sein freies Lehen.

Interessant ist der häufige Wechsel der Lehensleute in Eichenbrunn, so dass die Untertanen immer wieder neue Herren bekamen. Vor allem waren in Eichenbrunn landesfürstliche Lehen, die der Landesherr immer wieder andern Lehensherren übergab, und die sogenannten Orter Lehen, die ursprünglich dem Bischof von Regensburg gehörten, dem die Kolonisierung eines Teiles des heutigen Weinviertels übertragen war.

Es gab auch niederen Adel hier im Ort - so wissen wir noch aus einer Urkunde vom Jahr 1377, dass Georg von Eichenbrunn ihm gehörige Orter Lehen von hier verkauft habe. Am 25. Mai 1435 belehnte Herzog Friedrich von Tirol den Jörg Wolfenreuter und seine Brüder mit Ortischen Gütern in Aichaprunn. Im Jahr 1480 erhielt Wolfgang von Missingdorf (liegt in der Pfarre Pulkau) diese Lehen von Kaiser Friedrich III. zugesprochen.1511 als Hans Missingdorfer ohne Leibeserben gestorben war, belehnte Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter, den Herrn Wolfgang Volkra von Steinabrunn (bei Grossmugl) auf dessen demütiges Bitten mit diesen Gütern, in der Eichenbrunner Freiheit gelegen.

Ohne es urkundlich genau zu wissen, können wir durch Vergleiche und indirekte Beweise erschließen, dass die ersten Häuser um die Schwemme gebaut worden sind. Sie sind in den ersten Grundbüchern auch immer an erster Stelle angeführt, und zwar von der heutigen Hausnr. 37 angefangen, das mitten im sogenannten Anger steht. Nach Ansicht des Forschers Weigl ist Eichenbrunn um das Jahr 1000 entstanden und zwar als Angerdorf - im Gegensatz dazu ist Röhrabrunn z.B. ein Straßendorf. Die in der Babenbergerzeit angelegten Dörfer haben häufig in der Mitte einen sogenannten Anger, der ursprünglich eine Grünfläche war als Weideplatz für das Kleinvieh (Gänse) mit Schwemme und Gemeindebrunnen. Später wurde der Anger mit gemeinnützigen Häusern verbaut - Dorfmühle, Dorfschmiede, Wirtshaus, Schule und Kapelle, bzw. Kirche.

Als dann 1663 die Pfarre kanonisch errichtet worden war, tritt uns sofort in der Person des Matthias Gassner der erste Schulmeister entgegen. Die alte Schule stand wie die Kirche am Anger. Ursprünglich hat der Geistliche einzelne ausgesuchte Kinder selbst unterrichtet und für die Mithilfe bei den kirchlichen Handlungen ausgebildet, besonders für den Chorgesang. Es ist klar, dass die Kirche Chorsänger, aber auch Ministranten brauchte, Menschen die lesen können mussten. Freilich gingen auch nach der Gründung der Pfarrschule, so 100 Jahre später, oft nur zwei drei Kinder in die Schule, wie ein damaliger Visitationsbericht feststellte.

Das planmäßig angelegte mittelalterliche Dorf Eichenbrunn bildete mit den Häusern von Nr.21 bis 33, den Winkelhäusern bis Nr.48 eine natürliche Wehranlage. Die Hausgärten stießen unmittelbar an die Feldflur an, aber durch einen Dorfgraben als Schutzgürtel getrennt. der zu gewissen Notzeiten dadurch zu einem Wehrgraben verstärkt wurde. Später kamen die Häuser ab Nr. 20 und 49 - das sogenannte Mittel- und Unterort hinzu, welche als Straßendorf bezeichnet werden konnten.

Einige statistische Daten:

1590 - 52 Häuser

1787 - 73 Häuser

1833 - 82 Häu. 356 EW

1870 - 88 Häu. 445 EW

1960 - 110 Häu. 362 EW

2003 - 150 Häu. ca.300 EW

Im Weinviertelbuch von Karl Lukan heißt es:

In Eichenbrunn am Fuße der Leiser Berge soll der Pilger Koloman bei der neben einer Eiche entspringenden Quelle gerastet haben. Er hinterließ auch hier ein kleines Mirakel: Der kleine Weiher unterhalb der Quelle friert auch in den strengsten Wintern nicht zu - ein Naturphänomen. Aber das ist leicht zu erklären: viele kleine Quellen auf seinem Grund halten das Wasser in ständiger Bewegung. Die Kolomanstatue hier bei der Eichenbrunner Kolomanikapelle ist kein großes Kunstwerk, aber ein schönes Werk der Volkskunst. Sie stellt einen biederen Landmann dar. In einer Hand hält er den Pilgerstab, in der anderen als Zeichen das er ein Märtyrer war ein Palmenblatt. Koloman hält das Blatt so fröhlich in die Höhe, wie einer die ersten Palmkatzerlzweige und der dabei zu seinen Leuten sagt: „Schauts was ich heut schon gefunden hab!"

Früher haben sich die Leute von der Quelle etwas von dem Wasser geholt und beim Wettersegen hat man damit den Herrgottswinkel besprengt und in der Schwemm sind die Gansln und Enten herumgeschwommen. Heute laden hier unter der Eiche Bankerl zu einer Rast und zu einem Tratscherl ein: „Wenn wo Leut sitzen und rasten, dann darf man sich schon ein wenig dazusetzen!"